Die aktuellen Ereignisse rund um die COVID-19-Pandemie können sehr verunsichernd sein – deshalb möchten wir dich gerne über folgende Punkte informieren:

Bitte setze keine Medikamente ohne Rücksprache mit dem behandelnden Facharzt ab (Empfehlungen der Ärzte-Fachgesellschaften). Die aktive entzündliche Erkrankung erhöht das Risiko für einen ungünstigen Verlauf einer Infektion. Daher ist wichtig, die Erkrankung mit Hilfe deiner Medikation unter Kontrolle zu halten. Finde hier das aktuelle Statement der Österreichischen Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie zu COVID-19.


  • Nimm weiterhin die Kontrolltermine bei deinem behandelnden Facharzt wahr (bzw. nimm stattdessen telefonischen Kontakt auf oder bleibe in Kontakt wie mit deinem Arzt besprochen).
  • Wichtig ist darüber hinaus auch, dass du die allgemeinen Hygienemaßnahmen, wiegründliches und regelmäßiges Händewaschen und -desinfizieren oder das Meiden von großen Menschenansammlungen, befolgst.
  • Wie die Bundesregierung bereits kommuniziert hat, sind "Hamstereinkäufe" im Bereich der Medikamente und Lebensmittel nicht erforderlich. Du musst dir also keine Sorgen machen, denn dein täglicher Bedarf an Medikamenten und Lebensmitteln ist gedeckt.

Falls du Anzeichen einer Infektion (u. a. Fieber, Husten, Halsschmerzen) bemerkst, halte unbedingt Rücksprache mit deinem behandelnden Facharzt und ruf die Corona-Hotline unter 1450 an.

Der Verein Darmplus als CED-Dachverband von Betroffenen, ÄrztInnen und Schwestern/Pflegern beantwortet Fragen zum Thema Covid-19.

Der Experte Prof. Dr. Christoph Steininger, Virologe im AKH WIEN, spricht über die wichtigsten Fakten zum neuartigen Virus und beantwortet Fragen von Betroffenen.



Wir haben gemeinsam mit Fachärzten aus den Bereichen Gastroenterologie, Rheumatologie und Dermatologie die "frequently asked questions" mit fundierten Antworten für euch erstellt.



Gerade jetzt ist es wichtig, klare Antworten auf eure Fragen liefern zu können. Dafür standen uns Dr. Andreas Blesl (Facharzt für Gastroenterologie), OA Dr. Raimund Lunzer (Facharzt für Rheumatologie) und PD Dr. Wolfgang Weger (Facharzt für Dermatologie) zur Vefügung:


Warum gehöre ich als CED Patient zu der Gruppe „Personen mit erhöhtem Risiko für COVID“?

Aus Erfahrungen aus China, aber auch aus der restlichen Welt, weiß man, dass Patienten mit Vorerkrankungen schwerer von COVID-19 betroffen sein können, als völlig gesunde Menschen. Bei diesen Vorerkrankungen handelt es sich aber prinzipiell um Herzkreislauf-, Lungen-, Nieren- und Stoffwechselerkrankungen wie zum Beispiel eine chronisch-obstruktive Lungenerkrankung, eine koronare Herzkrankheit, eine chronischen Nierenschwäche oder eine Zuckerkrankheit und diese sind oft gepaart mit hohem Lebensalter. Auch Sie leiden an einer chronischen Erkrankung und damit könnte der Rückschluss gezogen werden, dass auch Sie einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind. Für Ihre Erkrankung ist dies allerdings nicht bewiesen und umso unwahrscheinlicher, je besser Ihre Erkrankung kontrolliert ist. Es ist auch bislang nicht davon auszugehen, dass Sie leichter COVID-19 bekommen können und auch ist nicht gewiss, ob Ihre Grunderkrankung den Verlauf von COVID-19 überhaupt negativ beeinflussen würde. Wenn Ihre Erkrankung mit einer immunmodulierenden Therapie oder Kortison behandelt wird, haben Sie ein geringfügig erhöhtes Risiko für schwere Atemwegsinfekte und es kann davon ausgegangen werden, dass dies auch für das Virus SARS-CoV-2 gilt. Das höchste Risiko für eine Infektion besteht unter einer Glukokortikoid Therapie! (Quelle: Rabbit Risikorechner: https://biologika-register.de/rabbit/risikoscore-fuer-infektionen)

Soll ich meine Immunsuppressiva/Biologika präventiv absetzen?

Klare Antwort: Nein! Ein Absetzen Ihrer Immunsuppression ist generell nicht zu empfehlen. Ihr Arzt hat Ihnen diese Therapie verordnet, um Ihre Grunderkrankung zu kontrollieren. Sollte diese Kontrolle verloren gehen, kann das dazu führen, dass sich Ihre Grunderkrankung stark verschlechtert und Sie auf verfügbare Therapien eventuell in der Zukunft nicht mehr ausreichendes Ansprechen zeigen. (Quelle: DGRh, ÖGR, AG Biologika der ÖGDV)

Hilft die Grippe-Impfung gegen das COVID 19?

Klare Antwort: Nein! Die Influenza-Impfung wirkt nicht auf das neue SARS-CoV-2 Virus. Es handelt sich hierbei um unterschiedliche Virentypen (Influenza = Orthomyxoviridae, SARS-CoV-2 = Coronavirus). Die Influenza-Impfung wird aber weiterhin saisonal ausdrücklich empfohlen.

Ich bin chronisch krank – soll ich meine Medikamente alle absetzen?

Klare Antwort: Nein! Hiervon muss ausdrücklich abgeraten werden. Setzen Sie Ihre Medikamente nicht ohne Rücksprache mit Ihrem Arzt ab. Es besteht die Gefahr, dass es zur Rückkehr der Symptome kommt und in der aktuell angespannten Gesundheitslage sind Ressourcen in den Spezialambulanzen bzw. im niedergelassenen Bereich eingeschränkt verfügbar und es kann zu einer verzögerten Behandlung kommen.

Was muss ich tun, wenn ich als chronisch kranker/immunsupprimierter Patient (z.B. CED) tatsächlich an COVID 19 erkranke?

Kontaktieren Sie als erstes Ihren behandelten Arzt. Bisher sind Patienten unter einer immunmodulierenden Therapie im Rahmen der RA/SpA/CED/Pso/PsA extrem selten mit einer COVID-19 Infektion aufgefallen. In Italien gibt es derzeit 8 RA-PatientInnen mit COVID-19, bei allen war eine Aufnahme ins Krankenhaus nicht notwendig (Sara Monti et al. 2020). Wie man im Einzelfall vorgeht, hängt von den verschiedenen Medikamenten selbst ab. Meist wird es wenig sinnvoll sein, das Präparat zum Beginn der Infektion abzusetzen, da viele Medikamente Wirkspiegel aufbauen, die nach Verabreichung länger im Körper bleiben. Somit würde die Wirkung der Medikamente erst nachlassen, wenn die Infektion bereits ausgestanden ist. Sollte der neuerliche Verabreichungszeitpunkt allerdings direkt in die Infektionsperiode hineinfallen, sollte man mit der neuerlichen Gabe zuwarten, bis die Infektion überstanden ist. Einige Ausnahmen bilden hier teilweise Medikamente aus dem Gebiet der Rheumatologie, die auch zur Behandlung einer COVID-19-Infektion getestet und eingesetzt werden. Quelle: Clinical course of COVID-19 in a series of patients with chronic arthritis treated with immunosuppressive targeted therapies. (Quelle: Sara Monti, et al., AnnRheumDis 2020 Vol. 79:667-668.)

Soll/kann ich meine Routine-Untersuchungen weiterhin wahrnehmen?

Wenn Sie sich gesund fühlen und Ihre Grunderkrankung kontrolliert ist, sollten Sie es derzeit vermeiden das Krankenhaus aufzusuchen. Derzeit werden in den meisten Spezialambulanzen telefonische Visiten bzw. teledermatologische Visiten angeboten, die Sie bei Unklarheiten wahrnehmen können. Wenn Sie sich allerdings krank fühlen und Ihre Grunderkrankung schlecht oder gar nicht kontrolliert ist, sollten Sie Ihre Behandlung sobald wie möglich beginnen und die COVID-19 Krise sollte dies nicht verzögern! Bei Unsicherheiten setzen Sie sich bitte mit der behandelnden Abteilung in Verbindung.

Was soll ich tun, wenn ich einen Schub habe?

Nehmen Sie am besten Kontakt mit Ihrer betreuenden Spezialabteilung auf. Wenn dort niemand verfügbar ist und Ihre Beschwerden keinen Aufschub dulden, begeben Sie sich nach telefonischer Rücksprache in die nächste Notaufnahme.

Kann ich eigenständig zur Sicherheit mehr Kortison einnehmen, um die Entzündung niedrig zu halten?

Klare Antwort: Nein! Sie sollten keine selbstständige Therapieänderung ohne Rücksprache mit Ihrem behandelnden Arzt durchführen. Kortison wirkt ebenso wie andere Immunsuppressiva bremsend auf Ihr Immunsystem und kann somit bakterielle oder virale Infektionen begünstigen und sollte daher nur nach ärztlicher Anordnung eingenommen werden.

Mein Hausarzt ist kein Biologika-Experte und ich erreiche meinen Facharzt nicht – wohin kann ich mich bei Fragen wenden?

Die Spezialabteilungen in den Zentren sind unter der Woche telefonisch, per Mail oder einige Abteilungen teledermatologisch (z.B. Universitätsklinik für Dermatologie Graz) erreichbar. Es kann in der derzeitigen Situation aber sein, dass gewisse Ambulanzen nicht an allen Wochentagen besetzt sind, auch wenn sie das üblicherweise sind.

Ich bekomme eine Biologika-Infusions-Therapie – traue mich aber nicht mehr außer Haus zu gehen. Was kann ich tun? Gibt es Therapiealternativen für mich?

Es ist davon auszugehen, dass es für Ihre Gesundheit gefährlicher ist, ihre Grunderkrankung nicht zu therapieren, als sich im Rahmen Ihrer Infusionstherapie mit SARS-CoV-2 zu infizieren. Die richtigen Schutzmaßnahmen wurden in den Krankenhäusern unternommen, um Patienten und Personal nicht zu gefährden. Im Einzelfall können Sie mit Ihrem behandelnden Arzt eine subkutane Applikation (Selbstinjektion unter die Haut) diskutieren.

Kann COVID - 19 einen Schub auslösen?

Bisher liegen keine Daten vor, die dies vermuten lassen würden.

Ich muss neben meiner Biologika-Therapie noch blutdrucksenkende Mittel einnehmen – soll ich diese absetzen?

Es wird empfohlen, die notwendige Einnahme von blutdrucksenkenden Medikamenten wie bisher fortzuführen. (Quelle: http://www.atcardio.at/de/)

Ich bin immunsupprimiert – kann ich in Zeiten von Corona weiter Ibuprofen einnehmen?

Ja. Auch die EMA (europ. Gesundheitsbehörde) sieht nach anfänglicher Unsicherheit keine Einschränkungen. Wenn Sie an einer CED leiden, sollten Sie allerdings lieber auf ein anderes Schmerzmittel (z.B. Paracetamol, Metamizol, Etoricoxib) umsteigen, da Medikamente wie Ibuprofen, sogenannte NSARs (nicht-steroidale Antirheumatika), Ihre Darmerkrankung verschlechtern können und das Potential haben, einen Schub auszulösen. (Quelle: https://www.ema.europa.eu/en/news/ema-gives-advice-use-non-steroidal-anti-inflammatories-covid-19)

Habe ich als Risikogruppen-Patient ein Anrecht auf eine COVID-19 Testung?

Alle Menschen in Österreich sollten nach den geltenden Regeln der Gesundheitsbehörde getestet werden. Es bestehen derzeit keine Vorgaben, Risikopatienten mit Ihren Erkrankungen bevorzugt zu testen. Auf jeden Fall sollten Sie unnötige Krankenhausbesuche unterlassen und sich bei Symptomen (Husten, Fieber, Atemnot oder auch Durchfall) testen lassen und/oder isolieren.

Brauche ich als Risikogruppen-Patient einen speziellen Mundschutz?

Für Sie gelten die gleichen Empfehlungen der Regierung wie für alle anderen Menschen in Österreich. Spezielle Schutzmaßnahmen für chronisch kranke Patienten sind derzeit nicht vorgesehen.

Ich bin schwanger und nehme ein Biologikum ein – benötige ich besondere Schutzmaßnahmen?

Besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt/Ärztin, ob Sie Ihre Therapie wie bisher weiterführen sollen. Bei einem Großteil der Patienten ist es ratsam und für die Schwangerschaft gefahrlos möglich, ihre Therapie fortzuführen, um entzündliche Aktivität in der Schwangerschaft zu vermeiden. Da auch die Schwangerschaft selbst eine gewisse Form der „Immunsuppression“ darstellt, sollten Sie gut auf die allgemeinen Hygienerichtlinien achten.

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