Reisen mit einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung

Reisen und CED sind kein Widerspruch! Wenn du deine Beschwerden unter Kontrolle hast, steht einer Reise nichts im Wege. Die richtige Vorbereitung ist allerdings Gold wert und richtet sich nach Reiseziel, -art und -dauer. Hier erfährst du, worauf du bei Reiseversicherung und der Wahl der Transportmittel achten musst und wie du zu deinem Toilettenschlüssel kommst.

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Über die Wahl des Reiseziels

Achte bei der Urlaubsplanung darauf, dass dein Reiseziel über ausreichende Hygienestandards und medizinische Versorgungsmöglichkeiten verfügt. Bedenke, wie du das Reiseziel erreichst: Ist ein langer Flug notwendig? Fährst du mit dem Auto? Oder mit Bus oder Zug? In all diesen Fällen ist wichtig, dass eine Toilette in unmittelbarer Nähe ist oder du die Möglichkeit hast, regelmäßige Pausen zu machen. Informiere dich außerdem über das kulinarische Angebot in deinem Urlaubsland. Wenn du weißt, dass das Urlaubsland für scharfe Speisen bekannt ist, du diese aber nicht verträgst, recherchiere schon vorab, ob es vor Ort auch für dich passende Alternativen gibt. Manche Hotels und Fluganbieter bieten übrigens spezielle Kost an. Auch viele andere Menschen leiden an Allergien und Unverträglichkeiten. Du bist also nicht alleine!

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Euro Key - der Toilettenschlüssel 

Menschen mit CED haben die Möglichkeit, einen Generalschlüssel für Behindertentoiletten – den sogenannten Euro Key – zu erhalten. Dieser passt für Autobahntoiletten, für öffentliche Toiletten vieler Städte in Österreich, der Schweiz und Deutschland sowie einigen weiteren europäischen Ländern. Bestellen kannst du den Schlüssel bei der Österreichischen Arbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (ÖAR). Er wird entweder kostenfrei bei Nachweis eines Behindertenausweises bzw. eines § 29b StVO-Ausweises abgegeben oder gegen eine Gebühr bei Nachweis eines ärztlichen Befundes über eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung. Der Befund sollte nicht älter als ein halbes Jahr sein. Weitere Information, sowie das Bestellformular und eine Liste der Toiletten-Standorte gibt es unter www.oear.or.at.

Wann du welche Reiseimpfungen benötigst

Bevor du die Fahrt in den Urlaub antrittst, solltest du dich rechtzeitig, insbesondere bei exotischeren Reisezielen, über den für das Reiseland empfohlenen Impfschutz informieren. Das Institut für Reise- & Tropenmedizin ist hier die richtige Anlaufstelle. Vor allem bei Menschen mit CED ist der Impfschutz wichtig, denn viele sind besonders anfällig für Infektionen. Du solltest auch überprüfen, ob der empfohlene Standardimpfschutz aufgefrischt werden sollte, z.B. Tetanus, Diphtherie oder Keuchhusten. Der Österreichische Impfplan mit den aktuellen Empfehlungen ist beim Bundesministerium für Gesundheit  erhältlich.
Generell wird zwischen Tot- und Lebendimpfstoffen unterschieden. Ein Lebendimpfstoff besteht aus geringen Mengen lebender Krankheitserreger. Diese sind so abgeschwächt, dass sie die Krankheit nicht auslösen können. Nach der Impfung können jedoch für einige Tage ähnliche Beschwerden wie durch die Erkrankung selbst auftreten. Totimpfstoffe dagegen enthalten abgetötete Krankheitserreger oder Bruchstücke davon. Sie sind in der Regel für Menschen mit CED unbedenklich. Lebendimpfstoffe dagegen können bei einem eingeschränkten Immunsystem zu Komplikationen führen. Welche Impfungen für dich persönlich sinnvoll sind, solltest du mit deinem Arzt besprechen.

Vorbereitung für den Akutfall

Auch wenn du vor Reiseantritt fit warst, kann es passieren, dass du während des Urlaubs einen Schub erleidest. Um darauf bestens vorbereitet zu sein, solltest du vorab mit deinem Arzt klären, was du dann tun kannst und wie du deine Medikation anpasst. Jedenfalls solltest du deine Dosis nicht eigenmächtig steigern oder die Anzahl der Anwendungen erhöhen, denn dies kann zu unerwünschten Nebenwirkungen führen. Informiere dich also vorab, welche medizinischen Einrichtungen es vor Ort gibt. Auch die Telefonnummer deines Arztes solltest du unbedingt mit dabei haben!

Über Transport, Aufbewahrung und Einnahme

Sprich vor Reiseantritt mit deinem Arzt und lass dir eine ausreichende Menge an Medikamenten – inklusive einer Reserve bei Verlust oder Verzögerungen – verschreiben. Denke auch daran, eventuell erforderliche Kontrollen während deiner Abwesenheit nachzuholen bzw. vorzuziehen. Weitere Tipps zu Transport, Kühlung und Einnahme:

  • Achte auf die Transportbestimmungen: Wenn du mit dem Flugzeug unterwegs bist, solltest du deine Medikamente im Handgepäck mitführen. Informiere dich vorab, welche Bestimmungen für die Mitnahme von PENs oder Spritzen gelten – das kann je nach Reiseland und Fluggesellschaft variieren.
  • Kühle Biologika: Bei Biologika ist es äußerst wichtig, dass diese lichtgeschützt gelagert und transportiert sowie permanent gekühlt werden. Die Hersteller empfehlen eine Kühlung von +2 °C bis +8 °C. Temperaturen unter 0 °C können die Wirksamkeit zerstören. Für den Transport über kurze Strecken kannst du eine Kühltasche verwenden. Wenn erforderlich, darf ein einzelner PEN bzw. eine einzelne Fertigspritze des Biologikums für maximal 14 Tage bei Raumtemperatur (d.h. nicht über 25 °C) und vor Licht geschützt aufbewahrt werden. Sobald die Injektionshilfe dem Kühlschrank entnommen wurde, um sie bei Raumtemperatur zu lagern, muss sie innerhalb dieser 14 Tage verbraucht oder weggeworfen werden, auch wenn sie während dieser 14 Tage wieder in den Kühlschrank zurückgelegt wurde.
  • Kühlung während der Autofahrt: Wenn du mit dem Auto unterwegs bist, kannst du deine Medikamente in einer Kühlbox aufbewahren, die sich an den Zigarettenanzünder anschließen lässt.
  • Kühlung im Hotelzimmer: Wenn du während deines Urlaubs die Minibar in einem Hotelzimmer als Kühlung für dein Medikament nutzt, achte darauf, dass sich beim Verlassen des Raumes der Strom nicht automatisch abschaltet und so ggf. auch die Kühlung ausfällt. Ist das der Fall, sprich dein Problem einfach beim Hotelpersonal an.
  • Kühlung während des Flugs: Während eines Fluges sollten Biologika im Handgepäck an Bord transportiert werden. Die Temperaturen im Frachtraum sind zu niedrig. Für den Transport im Handgepäck kannst du auch eine Kühltasche verwenden. Ist es wegen der Sicherheitsbestimmungen untersagt, Kühlakkus mitzuführen, solltest du auf spezielle Kühltaschen ausweichen, die keine Flüssigkeit zur Kühlung benötigen. Empfehlenswert ist es, sich vorab zu erkundigen, welche Art von Kühlakkus erlaubt sind oder ob es an Bord Kühlmöglichkeiten gibt.
  • Bedenke eine etwaige Zeitverschiebung: Viele Medikamente werden ein- oder zweimal täglich angewendet bzw. eingenommen. Das kannst du auch bei einer Zeitverschiebung beibehalten. Da der übliche Einnahmezeitpunkt bei mehreren Stunden Zeitverschiebung jedoch unter Umständen mitten in die Nacht ist, kann es sinnvoll sein, die Einnahme anzupassen. Medikamente, die nicht täglich angewendet werden, können auch im Urlaub in der Regel zur gewohnten Uhrzeit im gleichen Intervall genommen werden. Frage diesbezüglich allerdings vorab deinen Arzt!
  • Hole dir eine ärztliche Bescheinigung: Lass dir von Ihrem Arzt eine Bescheinigung – am besten auf Deutsch und Englisch, idealerweise auch in der Sprache des Urlaubslandes – ausstellen, welche belegt, dass du die mitgeführten Medikamente und das Zubehör benötigst. Falls eine permanente Kühlung der mitgeführten Arzneimittel notwendig ist, sollte auch dies in der Bescheinigung vermerkt sein.

Welche Medikamente zu Sonnenempfindlichkeit führen können

Einige Medikamente führen auch bei korrekter Dosierung dazu, dass die Haut empfindlicher gegenüber Sonneneinstrahlung wird und mit Röte, Ausschlag oder Juckreiz reagiert. Vermeide unter diesen Umständen intensive Sonneneinstrahlung (zB. die Mittagszeit) und benutze einen Sonnenschutz. Zu den Wirkstoffen, die zu einer erhöhten Lichtempfindlichkeit führen können, gehören Sulfasalazin, Azathioprin, Methotrexat und TNF-Blocker. Eventuell kannst du die entsprechenden Medikamente auch abends einnehmen. Sprich mit deinem Arzt: Er kann dich beraten, ob in deinem Fall besondere Vorkehrungen notwendig sind.

Hygiene-Tipps für den Urlaub

Menschen mit CED sind durch ihre Erkrankung besonders anfällig für bakterielle oder durch Viren ausgelöste Magen-Darm-Infekte und sollten daher im Urlaub besonders vorsichtig sein. Ein paar einfache Regeln – insbesondere bei Reisen in Ländern mit niedrigem Hygienestandard – helfen, zusätzliche Strapazen zu vermeiden:

  • Denke an die Grundregel: „Boil it, cook it, peel it or forget it!“ (auf Deutsch: „Koche es ab, gare es, schäle es oder vergiss es!“).
  • Achte darauf, dass Milch und Milchprodukte abgekocht sind.
  • Verzichte auf lauwarme oder rohe Speisen.
  • Meide Speiseeis und Eiswürfel.
  • Meide rohes Obst, Gemüse und Salat. Wenn du Früchte schälst, wasche zunächst die Frucht und dann deine Hände, bevor du mit dem Schälen beginnst.
  • Achte auf eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme. Trinke jedoch nur Wasser oder andere Getränke aus original verschlossenen Flaschen und kein Leitungswasser! Benutze auch zum Zähneputzen kein Leitungswasser.
  • Wasche dir regelmäßig die Hände.
  • Benutze in Ländern mit niedrigen Hygienestandards nur Trinkwasser zur Stomapflege.
  • Denke daran, dass sich ungewohnte Speisen auch auf die Verdauung auswirken. Probiere gegebenenfalls zunächst kleine Portionen.

Weitere Tipps findest du im Zentrum für Reisemedizin

Ein kleiner Überblick zu den Versicherungen rund um deine Reise

Reiseversicherungen gibt es viele. Egal für welche du dich entscheidest, kläre vor Versicherungsabschluss ab, ob diese auch greift, wenn der Versicherungsfall mit der chronischen Erkrankung in Zusammenhang steht. Häufig ist dies nämlich nicht der Fall. Darüber hinaus solltest du dir vor Versicherungsbeginn vom Arzt bescheinigen lassen, dass das gesundheitliche Befinden eine Reise zulässt und eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes im Reisezeitraum nicht zu erwarten ist. Neben der Reiseversicherung gibt es auch die Reiserücktrittsversicherung. Diese kommt für deine Kosten auf, wenn du die Reise aus unerwarteten Gründen nicht antreten kannst. Eine Erweiterung der Reiserücktrittsversicherung ist die Reiseabbruchversicherung. Sie erstattet die Kosten, wenn du deine Reise vorzeitig abbrechen musst und dadurch zusätzliche Hotel- oder Flugkosten für eine unplanmäßige Rückreise anfallen.

Zusätzlich zum Krankenversicherungsschutz kann eine Reisekrankenversicherung für dich sinnvoll sein, denn manche Versicherer übernehmen dabei nicht nur die Kosten bei „medizinischer Notwendigkeit“, sondern auch, wenn der Transport „medizinisch sinnvoll“ ist. Das bedeutet, dass der Wunsch, nach Hause zu kommen, berücksichtigt wird. Viele Versicherungen bieten zudem Jahrespolizzen für Reisekrankenversicherungen an, die sich automatisch Jahr für Jahr verlängern. Hier ist es wichtig, sicherzustellen, dass eine Gesundheitsverschlechterung der chronischen Erkrankung im Versicherungsschutz inbegriffen ist und du eine freie Arztwahl im Ausland hast.

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